In einem ersten Arbeitsgang werden alle Rahmenschenkel und Schwartenbretter auf Maß geschnitten.

Kanzelboden aus dicken Bohlen, aufgeschraubt auf drei Kanthölzer.

Kanthölzer zur Aufnahme von Sitzbrettern und Rückenlehne

Bock mit 5% Schräge. Querstreben werden vor Ort angebracht.

Standardkanzel 120 cm zum Selbstbau

In meinem Feld-Waldrevier sind die vorhandenen Ansitzeinrichtungen in die Jahre gekommen und es wurde Zeit, die eine oder andere zu ersetzen oder offene Leitern durch wetterfeste Kanzel zu ersetzen.

Aus meinem ehemaligen Revier habe ich einige Kanzeln mitgenommen, die von Daniel Hechtl von Hochsitz Oberpfalz in hervorragender Qualität gefertigt wurden. Allerdings hat das seinen Preis, und der Selbstbau von Reviereinrichtungen macht ja nicht zuletzt auch Spaß…

Leider bin ich nicht in der glücklichen Lage, vom Forst Stangenholz zum Hochsitzbau zur Verfügung gestellt zu bekommen – folglich muss ich das benötigte Holz kaufen. Es sollte also günstig sein, weitere Anforderungen sind: Modulare und standardisierte Bauweise, damit ich die Kanzel bei mir im Hof – Stück für Stück, so wie ich gerade Zeit und Lust habe – bauen und dann auch alleine vor Ort montieren kann. Diese Bauweise und auch die Maße habe ich mir vom Profi abgeschaut…

Eine Größe von 120 cm x 120 cm hat sich bewährt, man kann auch mal in Begleitung dort sitzen, und für einen längeren Aufenthalt ist sie ausreichend bequem. Vier Fensteröffnungen von 100 cm x 40 cm und ein Einstieg von 60 cm bei einer lichten Höhe von 190 cm reichen aus. Auf eine Tür und Fensterklappen verzichte ich, nur bei den Kanzeln im Feld baue ich auf der Windseite ein Schiebefenster aus Plexiglas ein.

Ich hatte das Glück, das Holz aus dem Abbau einer alten Terrasse zu bekommen. Es handelt sich hierbei um Tropenholz, unverwüstlich, aber auch sehr schwer, ideal geeignet für den Kanzelboden und die Sitzbretter. Auf drei Kanthölzer werden also die Bretter geschraubt, und fertig ist der Boden. Für die Wände nehme ich Kantholz im Format 40 mm x 60 mm. Hier verwende ich kesseldruckimprägniertes Holz. Meine ersten Eigenbau-Kanzeln habe ich noch mit abgeschrägten Wänden versehen, sieht toll aus, macht viel Arbeit, aber in der Praxis keinen Sinn. Viel einfacher und schneller ist es, gerade Wände zu bauen und das Dachgefälle später durch Auflagen herzustellen.

Die Kanzel besteht aus einer 120 cm breiten Vorderseite, einer 114 cm breiten Seitenwand, einer 114 cm breiten Rückwand und einer 58 cm breiten Einstiegsseite. Die Rahmen für die Wände werden mit der Kappsäge auf Länge gesägt und mit Schrauben verbunden. Nach negativen Erfahrungen mit diversen Baumarktschrauben verwende ich nur noch Schrauben der Fa. Würth. Die kriegt man auch nach ein paar Jahren noch herausgedreht, falls man die Kanzel mal abbauen und umstellen möchte. Für die Verkleidung der Rahmen benutze ich Schwartenbretter. Ich habe mich für dieses Material entschieden, weil es zum einen sehr natürlich aussieht und zum anderen relativ günstig zu beziehen ist. Je nach Verfügbarkeit kann man dafür aber auch anderes Holz nutzen, z.B. Bretter aus alten Paletten. Nun werden die Wände provisorisch gestellt und mit Schraubzingen verbunden. Nun bringe ich noch die Auflagebretter für Sitzbank und Rückenlehne an. Jetzt erfolgt noch ein Anstrich – auf den könnte man zwar verzichten, aber ich mag es nicht, wenn die Kanzel hell aus dem Wald heraus leuchtet.

Für das Dach benutze ich zwei schwarze Bitumenwellplatten, die es im Format 200 cm x 83 cm günstig im Baumarkt gibt. Die Platten werden auf einen Holzrahmen aus Dachlatten aufgenagelt. Diese Bauweise hat zwar den Nachteil, dass die Platten nicht so lange halten wie der Rest der Kanzel, dafür ist sie aber sehr preiswert und auch von einer Person leicht zu montieren.

Den Bock baue ich aus kesseldruckimprägnierten Kanthölzern im Format 80 mm x 80 mm, die Leiterholme aus Kanthölzern im Format 60 mm x 80 mm. Die Sprossen und die Sicherungen sind aus Kanthölzern im Format 40 mm x 60 mm. Die Schenkel für den Bock schräge ich auf 5 Grad an. Damit erreiche ich, dass der Bock von selbst steht – das hat unter anderem Vorteile bei der Montage der Kanzelwände. Natürlich wird er am Ende mit Pflöcken gesichert.

Abhängig von der Höhe des Bockes kostet eine solche Eigenbau-Kanzel zwischen 200 und 250 Euro.

Fex Ott, Juni 2017

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