Jagen bei Kälte….

Es gibt für einen Jäger nichts schöneres wie einen Ansitz bei Vollmond in einer Winternacht oder eine Drückjagd im herbstlich gefärbten Wald – wenn da die Kälte nicht wäre, die sich langsam aber sicher in die Knochen schleicht.

Auf dem Weg zum Ansitz kommt man schnell ins Schwitzen, der Rucksack hängt schwer am Rücken, der Gewehrriemen scheuert an der Schulter, die Unterwäsche wird nass. Mit den Thermostiefeln wird jeder Schritt zur Qual, ganz zu schweigen von der Verletzungsgefahr in unwegsamen Gelände. Am Sitz angekommen erst mal ausschnaufen, ausdampfen. Und keine 30 Minuten später wird aus dem feuchten Schwitzen klammes Frieren, wer kennt das nicht?

Was kann man dagegen tun? Gibt es DAS universelle Mittel gegen Frieren auf der Jagd oder muss man je nach Gegebenheit Kompromisse bei der Kleiderwahl eingehen?

Das Zwiebelprinzip

Nicht neu, aber bewährt und für viele Einsatzbereiche sicher eine gute Wahl. Als erste Schicht direkt auf der Haut nimmt man Funktionsunterwäsche, die den Schweiss nach aussen transportiert und einen trocken hält. Als nächste Schicht folgt dann Wollunterwäsche z.B. von Woolpower – denn Wolle hat einen unschlagbaren Vorteil gegenüber anderen Materialien: sie wärmt auch in feuchtem Zustand! Woolpower und ähnliche Produkte gibt es in verschiedenen Wollgewichten – angefangen vom sogenannten Liner über 200g, 400g, 600g bis hin zu 800g, alle untereinander je nach Wetterbedingungen kombinierbar. Die unterste Lage bildet stets die Funktionsunterwäsche, darüber folgt dann Woolpower in der passenden Dicke – im schlimmsten Fall kombiniert man 200er + 400er + 600er. Als abschließende Schicht folgt dann als Wind- und Wetterschutz die Jagdkleidung.

In der Praxis hat das Zwiebelprinzip aber auch nicht zu unterschätzende Nachteile: Die oberste Kleidungsschicht muss von der Größe so bemessen sein, dass sie noch über die dickste Kombination von Unterwäsche passt, ansonsten kann man sich nicht mehr bewegen. Dafür schlottern dann aber die Klamotten am Körper, wenn man weniger Material drunter trägt. Bei den Schuhen hat man natürlich dasselbe Problem – für die dicken Socken muss man die Winterstiefel ein bis zwei Nummern größer kaufen.

Hat man Wild erlegt, kommt man meist nicht umhin, die Oberbekleidung abzulegen, eine oder zwei Schichten auszuziehen und die Oberbekleidung wieder anzulegen, um beim Bergen einigermassen beweglich zu sein und nicht gleich an einem Hitzschlag das Zeitliche zu segnen.

Spezielle Ansitzkleidung

Ansitzkleidung aus künstlichen oder natürlichen Materialien sind eigentlich das Gegenteil des Zwiebelprinzips, das aus vielen Schichten besteht. Hier trägt man als erste Schicht beispielsweise Funktionsunterwäsche und darüber normale Jagdkleidung. Die wärmende Isolierschicht legt man dann nach dem Aussteigen aus dem Fahrzeug oder erst auf dem Ansitz an – in den meisten Modellen ist an Autofahren sowieso nicht zu denken. Mit dieser Methode ist man wortwörtlich dick eingepackt und gegen Kälte hervorragend geschützt – die Beweglichkeit ist allerdings stark eingeschränkt, für weite Wege sind diese Kleidungsstücke nicht gemacht. Im Gegensatz zum Zwiebelprinzip sind sie aber auch bei Bedarf schnell an- oder ausgezogen. Ich nutze bei moderater Kälte einen Ansitzmantel von Carinthia – und wenn es dann wirklich kalt wird, eine Lammfelljacke- und Hose von Dittrich. Für die Jagdstiefel gibt es im übrigen ebenfalls Überziehschuhe von Rascher oder Dittrich – diese legt man an, sobald man auf dem Ansitz ist.

Beheizbare Unterkleidung

Das größte Problem bei Kälteansitzen sind meistens die Füsse – in den wirklich warmen Thermostiefeln wie z.B. Baffin Apin kann man nicht Auto fahren und nur mühsam laufen – für längere Wege sind sie absolut ungeeignet. In normalen Jagdstiefel sind auch längere oder unwegsame Anmarschwege kein Problem, dafür friert man in ihnen ziemlich schnell, auch bei zwei paar Socken. Für diesen Fall gibt es entweder beheizbare Einlegesohlen oder beheizbare Socken. Ich bevorzuge letztere, weil ich damit sehr flexibel bei der Schuhwahl bin. Am liebsten trage ich nämlich normale Jagdstiefel, insbesondere dann, wenn ich auf Drückjagden gehe, wo ich nicht weiss wie weit und beschwerlich der Weg zum Stand sich gestaltet. Bei Ansitzen im eigenen Revier und kurzen Wegen vom Auto zur Kanzel kommen dann entweder die dicken Thermostiefel zum Einsatz – oder aber die beheizten Socken mit normalen Jagdstiefeln und zusätzlich bei großer Kälte Lammfellüberzüge.

Eine beheizbare Weste trage ich, wenn ich auf Drückjagden nicht nur als Nachsuchenführer, sondern auch als Schütze teilnehme. Dadurch erspare ich mir mehrere Kleidungsstücke und das lästige und zeitraubende Umziehen für die folgende Nachsuchenarbeit. Funktionsunterwäsche, Weste, Fleecejacke, Drückjagdjacke – fertig.

Fex Ott, Dezember 2017

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