Jagd mit Wärmebild

Seit 2020 ist die Jagd auf Schwarzwild mit Nachtsicht- oder Wärmebild-Vorsatzgeräten in den meisten Bundesländern erlaubt. Ich konnte nach Antrag und Beauftragung in Baden-Württemberg bereits früher mit dieser Technik arbeiten. Die folgenden Zeilen schildern meine subjektiven Eindrücke mit den verschiedenen Geräten.

Angefangen habe ich mit dem sogenannten Spotter – einer Wärmebildkamera, mit der ich bei Ansitz oder Pirsch die Umgebung abglase, um Wild zu erkennen und bestenfalls auch zu bestimmen. Die Anforderungen an ein solches Gerät sind natürlich abhängig von den Revierverhältnissen und den persönlichen Vorlieben – und nicht zuletzt vom finanziellen Einsatz, den man zu  bringen bereit ist. Vom Restlichtverstärker als Beobachtungsgerät rate ich ab, weil das Entdecken von Wild damit auf einen viel kleineren Radius begrenzt und auch auf kürzere Entfernung deutlich schwieriger ist.

Mit einem Spotter alleine kommt man allerdings, vor allem auf der Pirsch im Feldrevier, schnell an seine Grenzen. Was man mit der Wärmebildkamera eindeutig erkennen und lokalisieren kann, scheint beim Blick durchs Zielfernrohr dann plötzlich verschwunden zu sein. Auf die Dauer kann man mit dem Spotter alleine nicht praxisgerecht arbeiten. Ein Umstecken aufs Zielfernrohr ist höchstens auf dem Ansitz möglich, nicht auf der Pirsch.

Folglich muss man in den sauren Apfel beissen und sich ein weiteres, teures Gerät anschaffen – den sogenannter Shooter, also ein Vorsatzgerät für das Zielfernrohr – reine Zielgeräte sind nach wie vor verboten. Anfangs gab es nur Restlichtverstärker als Vorsatzgeräte auf dem Markt, mittlerweile ist auch das Angebot an leistungsfähigen Wärmebildvorsatzgeräten in allen Preisklassen sehr groß.

Ich habe mit einem Restlichtverstärker als Vorsatzgerät begonnen – beobachtet wird also mit der Wärmebildkamera, geschossen wird dann mit Hilfe des am Zielfernrohr befestigten Restlichtverstärkers, in der Regel mit IR-Zusatzstrahler (der Stand Juli 2020 laut Waffengesetz NICHT an der Waffe i.e. am Vorsatzgerät befestigt sein darf!)

Bei beiden Techniken gilt: man sollte möglichst mit der kleinsten Vergrößerungsstufe des Zielfernrohres arbeiten. Bei mehr Vergrößerung verrauscht das Bild schnell und wird unscharf.  Das verwendete Zielfernrohr braucht keine besondere Lichtstärke oder Zoom beinhalten – somit kann man zur Nachtjagd mit Nachtsichttechnik auch ältere und lichtschwache Zielfernrohre verwenden.

Der Vorteil von Restlichtverstärkern: Auf Entfernungen bis 100 m hat man ein randscharfes Bild mit vielen Details und ein „gewohntes“ Sehen, denn das Bild ist schwarz-weiss (bzw. bei älteren oder günstigeren Geräten grün-weiss). Hindernisse sind gut zu erkennen.
Der Nachteil: Bei Schneefall, Regen und Nebel kann man damit wegen den Reflektionen nicht jagen. Nach dem Schuss verliert man das Objekt sehr schnell aus den Augen, ein Nachschiessen ist daher oftmals nicht möglich, ohne vorher mit dem Spotter abgeglast zu haben. Das Verfolgen eines getroffenen, flüchtigen Stückes ist mit dieser Technik äusserst mühsam und nicht immer erfolgreich.

Der Vorteil von Wärmebildgeräten: ich erkenne nach dem Schuss sofort das Ergebnis und kann mir auch sehr schnell einen Überblick über die Szene verschaffen, ohne das Gewehr aus dem Anschlag nehmen zu müssen. So ist es möglich, nach dem ersten Schuss weitere Ziele aufzunehmen und zu erlegen. Hier erkenne ich sofort, was das beschossene Stück macht und ich sehe auch, wie sich die anderen Sauen der Rotte verhalten. Meist verhoffen die nämlich nach kurzer Flucht und checken erst mal die Lage – und bieten damit dem Schützen die Möglichkeit, mehrere Stücke zu erlegen. Auch kann man trotz Nebel und Regen auf die Jagd – einzig gleichmässige Temperaturen mindern zwar den Kontrast, lassen aber die Erkennung eines Wildkörpers immer noch zu. Das von mir verwendete Nitehog Chameleon ist wiederholsicher, d.h. die Treffpunktlage ändert sich auch bei wiederholtem Anbringen nicht. Ich habe es mehrfach kontrollgeschossen (sinnvoll: Wärmepad auf die Zielscheibe kleben) und hatte auch nach einem Jahr regelmässigen Einsatzes keine Treffpunktabweichung.
Der Nachteil aus meiner Sicht: die mögliche Schussentfernung ist geringer als mit dem Restlichtverstärker, weil die Konturen unschärfer sind und früher verschwimmen. Beim Ansitz im Feld sicher ein Manko, bei der Pirsch hingegen macht sich das nicht bemerkbar, weil man ja üblicherweise recht nahe ans Objekt kommt. Hindernisse in der Schussbahn werden im Gegensatz zum Restlichtverstärker schwer oder gar nicht erkannt.

Welcher Technik man nun den Vorzug gibt, hängt von den Revierbedingungen und den persönlichen Vorlieben ab. Solange die Gesetzeslage die Nutzung eines am Restlichtverstärker oder Gewehr montierten IR-Strahler verbietet, macht der Einsatz wenig Sinn. Die Wärmebildtechmik kommt hingegen ohne solche Hilfsmittel aus.

Spotter und Shooter gibt es mittlerweile in allen Preisklassen von etwa 1.000 € bis 6.000 € (können aber auch mal das Doppelte kosten).

Menü