Mittlerweile gibt es neben den Rusan-Adaptern auch Produkte wie den hier gezeigten Gun-Tec.

Mir gefällt am Gun-Tec besonders die breite Spannschnalle.

Zur Befestigung eines IR-Strahlers wie z.B. dem Laserluchs gibt es diverse Brackets, die an der am Dedal NV 555 vorhandenen Schiene oder am Zielfernrohr angebracht werden können.

Mit zusätzlichem Bracket und IR-Strahler (nicht im Bild) wiegt die Kombination ein knappes Kilo.

Das Batteriefach für die CR123 ist zusätzlich mit einem Fangriemen gesichert.

Laut Hersteller ist ein Kontrollschiessen des Röhren-Restlichtverstärkers (im Gegensatz zum digitalen Gerät) nicht notwendig – ich empfehle es aber dennoch. Das lässt sich im übrigen auch durchaus tagsüber machen, wenn man die Abdeckkappe dranlässt.

Kontroll- und  Einschiessen erledige ich mit einem Einschiessgerät von Dobrindt.

Die Aufnahmen durch das Zielfernrohr wurden mit einem iPhone SE an einem G-Line Sharp Sight Adapter der Fa. Griffing erstellt.

Bei den Aufnahmen durch das Zielfernrohr wurde die Waffe auf einem stabilen Dreibein eingespannt.

Dedal NV 555Werte
Größe mit Gun-Tec65 x 66 x 235 mm
Gewicht mit Gun-Tec770 g
Objektiv78 mm – F/1,5
Auflösung64 Strich/mm

Dedal NV 555

Restlichtverstärker-Vorsatzgerät

Der Markt für Nachtsichtgeräte – seien es nun Wärmebild-Vorsatzgeräte oder Restlichtverstärker – ist mächtig in Bewegung geraten. Nicht zuletzt die drohende Afrikanische Schweinepest haben den Gesetzgeber dazu veranlasst, diese Technik zur Jagd freizugeben. Leider nicht in allen Bundesländer einheitlich, und auch nur als sogenannte Dual-Use Geräte anstelle von echten Nachtzielgeräten mit eigenem Absehen.

HINWEIS: Die aktuelle Rechtslage verbietet leider – ausser in Bayern, die nach wie vor eine behördliche Beauftragung erteilen – den Einsatz von IR-Strahlern in Verbindung mit Restlichtverstärkern.

Damit einhergehend hat ein immer kürzerer Produktzyklus – den es bei anderen optischen und technischen Geräten schon seit längerem gibt – auch in der Jagd Einzug gehalten. Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend deswegen, weil die Technik sich immer weiter verbessert; wer heute noch ein Nachtsichgerät der ersten Generationen kennt oder gar besitzt, dem werden beim Vergleich mit den heutigen Geräten die Augen ausfallen. Weinend, weil man heute ein Gerät für immerhin 6.000 € erwirbt, dessen Nachfolger bereits in den Startlöchern steht.

Vor wenigen Monaten hatte ich zwei Restlichtverstärker von Nightlux, das JSA NV M.A.U.  und das damalige Flaggschiff von Dedal, das Dedal 552 miteinander verglichen. Und dabei wäre es auch für lange Zeit geblieben, hätte nicht Frank Kleimann von Jagdspezi dermassen vom Nachfolger Dedal NV 555 geschwärmt. Insbesondere seine Aussage, dieser Restlichtverstärker würde ohne IR-Strahler auskommen und damit der aktuellen Rechtslage entsprechen, hatte mich neugierig gemacht.

Eines vorweg – unabhängig von geschriebenen Texten und darin veröffentlichten Bildern zum Thema Nachtsicht sollte man die in Frage kommenden Geräte immer selbst in Augenschein nehmen. Zum einen, weil insbesondere die in den Printmedien gedruckten oder im Internet gezeigten, durch das Zielfernrohr aufgenommenen Bilder nie die Qualität erreichen, die sie in Wirklichkeit haben. Zum anderen, weil jeder Jäger Wert auf andere Eigenschaften legt – sei es die Bedienung der Geräte, die Art der Montage oder auch nur das optische Erscheinungsbild.

Viele Hersteller und Händler bieten neben Messen und Seminaren, wo man die Geräte in die Hand nehmen kann, auch die Möglichkeit, sich das gewünschte Modell leihweise nach Hause schicken zu lassen – insbesondere zu Corona-Zeiten eine gute Gelegenheit für ausführliche Tests.

Restlichtverstärker bauen weit nach vorne auf und verändern das Gleichgewicht einer ausbalancierten Waffe. Ein knappes Kilo mehr macht sich auf einer Pirsch durchaus bemerkbar, insbesondere dann, wenn man die Waffe immer wieder aufnehmen und absetzen muss. Es bleibt im Gesamtbild immer noch eine Krücke im Vergleich mit einem reinen Nachtzielgerät, das ja schliesslich auch nichts anderes tut – nämlich die Möglichkeit bieten, eine sichere Zielsprache zu tätigen und einen sauberen Schuss anzubringen.

Restlichtverstärker Dedal NV 555.

Erscheinungsbild und Schalteranordnung

Röhren-Restlichtverstärker sind einfach zu handhaben. Die Geräte haben einen Ein/Ausschalter, einen Schärferegler und gegebenenfalls noch einen Drehregler oder Knopf für die Steuerung der Helligkeit. Es gibt kein Menü für irgendwelche Einstellungen. Die Bedienung eines externen IR-Strahlers erschöpft sich im Ein- und Ausschalten und im Verändern des Lichtkreises.

Beim Dedal NV 555 ist der Ein/Ausschalter  – der gleichzeitig die Helligkeit steuert –  als Druckknopf ausgeführt und mittig auf dem Gerät angebracht. Er ist gummiert und hat eine Erhöhung, damit man ihn im Dunkel leicht tasten kann. Durch langes Drücken wird das Gerät ein- oder ausgeschaltet, kurzes Drücken regelt die Helligkeit in vier Stufen. Weiter vorne befindet sich der Drehknopf für die Schärfeeinstellung. Dieser ist als Endlosfokussierung ohne Anschlag ausgeführt: es spielt keine Rolle, in welche Richtung man dreht, es stellt immer scharf. Eine Schiene zur Befestigung externen IR-Strahlers ist auf der linken Seiten angebracht. Das Batteriefach befindet sich rechts, der Schraubverschluss ist mit einem Fangriemen gesichert.

Beim Dedal NV 555 ist der Power- und Helligkeitsschalter auf der Oberseite angebracht. Das Batteriefach befindet sich auf der rechten Seite, links ist eine Schiene zur Befestigung eines Brackets für einen externen IR-Strahler.

Mit zusätzlichem Bracket und IR-Strahler (nicht im Bild) wiegt die Kombination ein knappes Kilo.

Beim Dedal NV 555 kann man die Treffpunktlage per Klicks horizontal und vertikal korrigieren.

Wiederholgenauigkeit

Bei Restlichtverstärkern mit Röhre sollte sich eigentlich die Treffpunktlage der Waffe nicht verändern. Ein Kontrollschiessen vor dem ersten jagdlichen Einsatz ist dennoch Pflicht! Das Gerät sollte immer an derselben Stelle am Zielfernrohr angebracht werden und fest sitzen. Die Adapter der meisten Hersteller lassen sich mit einem Sechskantschlüssel einstellen.

Bislang musste man die Geräte bei einer Treffpunktverlagerung – wie es z.B. nach einem Sturz oder hartem Kontakt mit der Kanzelwand passieren kann – zum Händler einsenden. Beim Dedal NV 555 kann man das – analog wie bei einem Zielfernrohr – selber bewerkstelligen. Eine veränderte Treffpunktlage lässt sich einfach durch ein paar Klicks sowohl horizontal wie auch vertikal korrigieren.

Das Dedal NV 555 verfügt über vertikale und horizontale Verstellmöglichkeiten der Treffpunktlage, wie man es von Zielfernrohren her kennt.

Bildvergleich

Bei meinen bisherigen Tests habe ich immer Vergleichsbilder verschiedener Geräte an dieser Stelle veröffentlicht. Dieses Mal verzichte ich aber darauf, weil die im Internet veröffentlichten Bilder bei weitem nicht die wirkliche Qualität erkennen lassen – es gehen zu viele Details bei der Aufnahme durchs Zielfernrohr, durchs Herunterrechnen fürs Web und die Komprimierung verloren. Deshalb an dieser Stelle nochmals der Hinweis – schaut euch die Geräte bei einem Fachhändler wie Jagdspezi selbst an, um einen wirklichen Eindruck der Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Stromversorgung

Das Gerät nutzt als Stromquelle eine CR123-Batterie. Dedal gibt eine Betriebsdauer von 60 Stunden an. Da man das Gerät nur für den Schuss einschaltet, sollte die Batterie lange halten. Ich empfehle dennoch immer eine Reservebatterie mitzuführen.

Mein Fazit

In Sachen Bedienung ist für mich die herausstechende Eigenschaft des Dedal NV 555 die Möglichkeit, die Treffpunktlage selbst korrigieren zu können. Es ist ausserdem der erste Restlichtverstärker, der in der Praxis tatsächlich ohne zusätzlichen IR-Strahler auskommt und damit den aktuell geltenden Gesetzen entspricht.  Inwieweit diese Tatsache bei den sich in ständigem Fluss befindlichen Bestimmungen von Bedeutung bleibt, muss man abwarten. Vorteilhaft ist es allemal, wenn man auf das zusätzliche Gewicht von IR-Strahler samt Bracket verzichten kann.

Bekanntlich ist das Bessere der Feind des Guten. Wer sich heute für ein Restlichtverstärker-Vorsatzgerät entscheidet, dem sei ganz klar das Dedal NV 555 ans Herz gelegt.

Fex Ott, März 2021

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